Visionen auf die Straße schicken

Nachdem neue Gerüchte und Pressemeldungen in die Welt purzelten, können auch wir uns nicht zurückhalten.

Hier eine Presseerklärung von
ES REGNET KAVIAR – AKTIONSNETZWERK GEGEN GENTRIFICATION
Hamburg, 13. März 2009

    Visionen auf die Straße schicken


    Auch ein weiterer Beachclub ist einer zuviel … außer in der Hafencity

Aus, aus, vorbei!? Die weitere Privatisierung öffentlichen Raums und die Verunstaltung von St. Paulis Küste durch weitere Beachclubs ist für die nächsten Jahre anscheinend vom Tisch. Beachclubs am Standort Hafenstraße versenkt – prima! Die bisherige Mobilisierung und Gegenaktionen haben dazu beigetragen und waren ein voller Erfolg. Für den Fall, dass nun ein Beachclubbetreiber sich anschickt – wenn auch nur dieses Jahr und allein – das Areal zu nutzen, kündigen wir schon jetzt weiteren Widerstand an.
Denn auch hier gilt der Tenor der Resolution, die von rund 180 Anwesenden auf einer Stadtteilversammlung Anfang letzten Monats verabschiedet wurde:

    Wertvoller öffentlicher Raum darf nicht privatisiert werden

    Statt Beachclubs für wenige: Strand für alle!

Auch bei den übrigen angedachten und – nach Pressemeldungen – nun verworfenen Flächen müssen Allgemeininteressen Vorrang haben. Nicht nur wenn es um Wohngebiete geht wie im Reiherstieg in Wilhelmsburg, sondern auch bei einer abgelegenen Freifläche wie dem Platz neben dem „König der Löwen“ in Steinwerder, gehört die Entscheidung über die Nutzung in die Hände von Anwohner_innen und Nutzer_innen. Schluss mit dem Exklusivgremium aus Bezirkamtsleitern, Behördenvertretern und Beachclubbetreibern, dem zum Elbufer nichts anderes einfällt als maritime Image-Vermarktung. Wir wollen keine Dekrete von oben herab.

    Die Stadt gehört uns allen!

Deswegen werden wir in den nächsten Monaten in kollektiver Wunschproduktion weiterplanen: an einem öffentlichen Strand für alle, der die Aufenthaltsqualität des zu einem Parkplatz degradierten Ortes verbessert, ohne die jetzigen Nutzer_innen zu verdrängen oder die Preise der Wohnungen in der Nachbarschaft zu verteuern: La Plage Publique!

Bevor jetzt jemand kommt und uns vorwirft, wir hätten wieder mal keinen konstruktiven realisierbaren Vorschlag zu machen, werfen wir zum Abschluss noch Folgendes in die Debatte:

Was spricht eigentlich dagegen, die Beachclubs an den Standort des sog. „Subvision Festivals“ in der Hafencity zu verlegen? Das, was die Hafencity GmbH als Initiatorin dieses Events mit der Veranstaltung will, nämlich subversive Kunst aus der ganzen Welt dafür zu instrumentalisieren, die öde Hafencity mit einer Immobilienwerte steigernden Geschichte zu versorgen, das können Beachclubs viel besser. Und Kulturbehörde, Körberstiftung, Hamburgische Kulturstiftung und Kulturstiftung des Bundes sparen praktischerweise gleich eine halbe Million Euro für das verlogene 11-Tage-Spektakel.

Diese Presseerklärung hier als pdf

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4 Antworten to “Visionen auf die Straße schicken”

  1. Sebastian Says:

    Hallo, denke auch die Hafencity hat mindestens einen Beachclub verdient – das passt wie Hintern auf Eimer – verstehe aber nicht warum Ihr hier auf dem mehr oder minder langweiligen „Subvision Festival“ herumhackt. Das Festival sollte man nicht gleich als verlogen bezeichnen, solange von Euch keine Gründe folgen.

    Habe aber generell keine Hoffnung mehr, das Hamburg seinen Hafen und die Elbe rettet. Zwischen Fischmarkt und Övelgönne wurde eine hässliche Hölle aus Glas und Stahl gebaut und zynischerweise auch noch Perlenkette genannt wird.

    Wieso interessiert es nicht, wenn an der Carsten-Rehder-Str. am Fischmarkt sogar Spielplätze und große Teile des Elbwanderwegs für Luxusappartments gerodet werden?

    Habe das Gefühl das St.Pauli schon längst „veredelt“ worden ist, jetzt ist Altona-Altstadt dran… und die Zange zwischen Eimsbüttel, Ottensen und Hafencity wird sich irgendwann schließen.

  2. anna k 4 Says:

    Doch doch, es interessiert schon, „wenn an der Carsten-Rehder-Str. am Fischmarkt sogar Spielplätze und große Teile des Elbwanderwegs für Luxusappartments gerodet werden“.
    Sehr sogar. Erzähle gerne mehr davon.

    In dieser Sache geht es jetzt „nur“ um die zauberhafte Offenheit in der Perlenkette zwischen Övelgönne und Hafencity.

  3. ananas Says:

    Zum Subvision Festival:

    „Mit dem Festival „subvision“ in Hamburg wurde die Latte des für förderungswürdig erklärten Verachtenswerten wieder etwas tiefer gelegt: hier werden Bundesmittel in ein Projekt gesteckt, das Kunst für die Aufwertungsinteressen der Hamburger Immobilieninvestoren instrumentalisiert.“ Die ganze Story gibt es hier:

    http://thing-hamburg.de/index.php?id=303&no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=148

    Und eine treffende Polemik über die Vereinnahmung von Subkulturen und die Kulturlandschaft in Hamburg von Virginia Craven
    „The story of art and culture in Hamburg’s Hafencity is a series of flops“ hier:

    http://virginworld.blog.de/2009/01/15/subvision-hafencity-art-money-real-estate-5379535/

  4. drananas Says:

    Da der erste Link zum Subvision Festival nicht geht, hier der Text – (entnommen von obiger url):

    Oh My Lord, Kulturstiftung des Bundes!

    Hattest Du Dich anfangs durch kritische, urbanistische Projekte profiliert (Ersatzstadt, shrinking cities), widmest Du Dich jetzt dem Gegenteil: Nun fördert Du lieber solche Vorhaben, wie sie noch vor kurzem in den Initiativprojekten kritisiert worden waren.

    Mit dem Festival „subvision“ in Hamburg wurde die Latte des für förderungswürdig erklärten Verachtenswerten wieder etwas tiefer gelegt: hier werden Bundesmittel in ein Projekt gesteckt, das Kunst für die Aufwertungsinteressen der Hamburger Immobilieninvestoren instrumentalisiert. „In der HafenCity Hamburg findet das Festival in einem Areal von Schiffscontainern statt. “ heißt es ganz unverblümt in der Presseerklärung der Kulturstiftung des Bundes, die mit dem Begriff *Off* getagged wurde. Über Hundert „Künstlerinitiativen aus der ganzen Welt“ will man in dieser prekären Architektur unterbringen, deren ostentativer Flexibilismus dieselbe Kernaussage gegenüber den „nicht-etablierten künstlerischen Strategien“ formuliert, wie man sie schon an anderer Stelle im Hamburger Hafen erprobt hat: Über Jahre wurde Asylbewerbern in der Hansestadt durch Unterbringung in Containerschiffen unmissverständlich klargemacht, dass ihre Anwesenheit in Hamburg nicht erwünscht ist, und so scheint man auch mit der „internationalen Perspektive“ der „Off-Kunst“ in der Hafencity nur ein kurzes Techtelmechtel im Sinn zu haben.

    Als Spezilist fürs subversiv-Visionäre hat sich der Künstlerische Leiter der Veranstaltung, Martin Köttering, offenbar in seiner Funktion als Präsident der HfbK profiliert. Die dort von ihm hintergangenen streikenden StudentInnen hatten den unsolidarischen Institutsleiter nämlich mit „nicht-etablierten künstlerischen Strategien“ zum Rücktritt aufgefordert, was der Geschmähte beleidigt mit Nachtmalverbot und dem Einsatz von Wachdiensten in der Bildungseinrichtung beantwortete.

    Ein odeur von Vorteilsnahme verbreitet darüberhinaus die Tatsache, dass der künstlerische Beirat der subvision-Veranstaltung, Hubertus Gassner, als Direktor der Hamburger Kunsthalle bis vor wenigen Wochen der Vorgesetzte von Jurymitglied Dr. Christoph Heinrich, damals Chef der Galerie der Gegenwart, war…

    transparency international, übernehmen Sie!

    meint Ihre

    Virginia Craven


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