So war das – beim Landgang durch die Sonderzone

Nachdem der Rundgang von der Polizei überfallen worden war (s.Presseerklärung), dieser Überfall auch zum Thema in einigen Medien und in der Politik wird, hier jetzt ein Bericht einer Teilnehmerin über den eigentlichen Rundgang.

Landgang durch die Sonderzone (der erste) am 20.08.2008 – ein Erlebnisbericht > [Einleitung]

Begrüßt werden die internationalen Gäste mit Sekt, Musik und an der Hafenstraßen-Volksküche (Vokü). Obwohl es immer wieder wie es aus Kübeln Kaviar schüttet, sind wir nicht mehr zu halten, und los geht der Rundgang mit rund 130 Leuten. Die meisten Leute tragen fortan ein Gläschen Sekt in der einen, eine Regenschirm in der anderen Hand. Begleitet von Musik und Wortbeträgen aus der Konserve, ausgerüstet mit allerhand Zubehör für Spiel und Spannung.



Für einen kurzen Galopp vom billigsten zum teuersten Quadratmeter Hamburgs treten wir ein in einen Hinterhof in der Bernhard-Nocht-Straße. Zunächst sehen wir also noch original erhaltene Substandard-Wohnungen ohne Zentralheizung und Bad, wie sie bis in die Neunzigerjahre hinein typisch waren für St. Pauli. Dann ein Sprint zur nächsten Straßenecke, dort entsteht nach einigen Eigentümerwechseln und Verbrauch an Baumaterial ein recht lukratives Etablisement.

Auf zum Tulpenfeld im Park Fiction vis avis. was hat es damit auf sich?
Bevor wir in die Sonderzone eintreten, bereiten wir uns nach überlieferter Strategie des Vietcong gut vor, indem wir uns geräuschfrei präparieren. So dringen wir vor ins Viertel.

Wir können an den Klingelschildern deutlich ablesen, dass in den Neubauten und teuer sanierten Altbauten der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SAGA praktisch keine Migranten mehr wohnen. Plötzlich schwärmen Leute aus, um Schilder anzubringen, die der Stadtteil noch kennt.

In „Harrys Hafenbasar“ sind Dias zu sehen. Harrys Geschichte. Die Geschichte und die der Umzüge seiner Sammlung. Eine Geschichte von Olaudah Equiano. Musik.

Durch die Silbersackstraße, über die Reeperbahn, ab in die Talstraße zur Ecke Schmuckstraße. Wer lebt und arbeitet hier? Drangsalierung von Transsexuellen durch die Polizei.

Auf die Reeperbahn. Kein Winkel ist hier nicht im Visier mindestens einer Kamera.
Fernsehballett. 21 Pappen, Farbe, Pinsel – fertig ist das Ballettkleid.
Wir tanzen um die Kamera herum, dann als Wortschlange in die Davidstraße.

Wir sollten weitere Choreografien üben.

Der Kreativität sind wenig Grenzen gesetzt: aus den Buchstaben lassen sich auch andere Botschaften bilden. Das zeigt sich noch.

Wir stehen nun auf der Davidstraße, an der Ecke Erichstraße. Bavariaquartier.
Ein Blick nach Westen, ein Blick nach Osten. Die Kontraste schon an den Fassaden. An der Ecke zum neuen schicken Kupfernen sitzen Leute bei hippen Speisen und Drinks, mit Blick auf vorbeieilende Junkies.

Hinein in die zugige Gegend. Ist das noch ein öffentlicher Weg? Wir nehmen ihn heute mit Spielen ohne Grenzen. Frisbees fliegen hin und her, die hyper-stylische Wippe wird ausprobiert. Konfettiregen, Singen,

Zum Gebrüder Wolf Platz mit Tüdellied [„Anne Eck steiht n Jung mitm Tüdelband …“]
Wir nehmen den Platz zum Anlass, der Gebrüder Wolf zu gedenken. Wie sie besangen, spielen wir das Tüdelband. Vorantreiben.

Das macht Spaß (und Lärm ;-). Nur üben sollten wir das regelmäßiger.

Vorbei an den niegelnagelneuen Büros („Schluss mit Prosecco – hier gibt es Sekt“) zum Spielbudenplatz. Vor dem Operettenhaus suchen Freunde des Musical Einlass nach New York.
Wir haben Musik vom Band, nochmal Fernsehballett, Abschlussworte, Sekt, einen entspannten Ausklang in Grüppchen.

Dann plötzlich wird es


Aber der Rundgang brachte Informationen, Spannung, Denkanstöße und Spaß. Ich freue mich auf den nächsten. Und wieder auf zahlreiche Gäste.

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